UN FILM
DE FERNAND MELGAR
HintergRundinformationen
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6 hintergrundinformationen
Seite 6
In diesem Kapitel liegen folgende Texte und Materialien vor
Linkliste und Pressestimmen
- Linksammlung mit Trailer, Filmausschnitten und Fernsehbeiträgen zu LA FORTERESSE
- Linksammlung zu Websites und Fernsehbeiträgen zum Thema «Asyl»
- Medienmeldungen zur Ausschaffung von Fahad Khammas (eine der Hauptfiguren im Film)
- Auswahl an Pressestimmen (deutsch)
Dossier zum Film
- Kurze inhaltliche Zusammenfassung
- Anmerkungen des Regisseurs
- Text «Es war an einem Sonntagabend» von Fernand Melgar
- Biografie und Filmografie von Fernand Melgar
- Stabangaben
- Kontakte
Hintergrundinfos zur Volksabstimmung vom 24. September 2006
Dossier mit einer kleinen Auswahl von Pressemeldungen aus der Westschweiz
Text von Fernand Melgar auf französisch
«C’était un dimanche soir»
Kontaktadressen
Adressen der Empfangs- und Verfahrenszentren in der Schweiz
6 hintergrundinformationen
Seite Linkliste und Pressestimmen
LA FORTERESSE (Die Festung)
von Fernand Melgar / Schweiz
2008, 100 Min, 35mm, Französisch / Deutsch untertitelt
Regie:
Drehbuch:
Kamera:
Ton:
Schnitt:
Wissenschaftliche
Mitarbeit:
Produktion:
Koproduktion:
Verleih:
Fernand Melgar
Fernand Melgar, Claude Muret
Camille Cottagnoud
Marc von Stürler
Karine Sudan, Claude Muret
Alice Scala
Climage Lausanne
TSR, TSI, SRG SSR idée suisse, ARTE G.E.I.E.
Look Now! Zürich
INFORMATIONEN ZUR ASYLTHEMATIK
Bundesamtes für Migration BFM
www.bfm.admin.ch
www.jugendweb.asyl.admin.ch
http://www.bfm.admin.ch/bfm/de/home/themen/asyl/humanitaere_tradition.html
http://www.bfm.admin.ch/bfm/de/home/themen/asyl/asylrecht.html
http://www.bfm.admin.ch/bfm/de/home/themen/asyl/asylverfahren.html
http://www.bfm.admin.ch/bfm/de/home/themen/statistik/asylstatistik/monatstatistiken.html
(Statistik des aktuellen Monats: Download pdf)
http://www.bfm.admin.ch/bfm/de/home/themen/laenderinformation.html
Amnesty International
http://www.amnesty.ch/search?SearchableText=asyl&x=0&y=0
SCHWEIZER FERNSEHEN
http://www.sf.tv/sfwissen/dossier.php?docid=17292&navpath=pol/inl
http://www.sf.tv/sfwissen/wissensmix.php?qdr=17292&que=Migranten
http://www.sf.tv/sfwissen/wissensmix.php?qdr=17292&que=Fl%FCchtling
http://www.sf.tv/sfwissen/wissensmix.php?qdr=17292&que=Sans-Papier
http://www.sf.tv/sfwissen/wissensmix.php?qdr=17292&que=Muslim-Papier
http://www.sf.tv/sfwissen/wissensmix.php?qdr=17292&que=Saisonnier
http://www.sf.tv/sfwissen/wissensmix.php?qdr=17292&que=Einb%FCrgerung
http://www.sf.tv/sfwissen/wissensmix.php?qdr=17292&que=Integration
http://www.sf.tv/sfwissen/wissensmix.php?qdr=17292&que=EU-Normen
http://www.sf.tv/sfwissen/wissensmix.php?qdr=17292&que=Justizdepartement
http://www.sf.tv/sfwissen/wissensmix.php?qdr=17292&que=Kriminalstatistik
http://www.sf.tv/sendungen/kinoaktuell/film.php?docid=539
http://www.sf.tv/sendungen/kulturplatz/suche.php?q=la+forteresse&x=0&y=0
http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/drs-3-filmtipps/2653.sh10073668.html
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/kino/Solothurner-Highlights-Dokfilme-aus-demNiemandsland/story/13389224
http://www.derbund.ch/bern/Damit-man-sieht-was-passiert/story/20350274
http://www.cinemabuch.ch/selection-cinema/la-forteresse-fernand-melgar.html
http://outnow.ch/Movies/2008/Forteresse/Reviews/kino/
http://www.cineman.ch/movie/2008/LaForteresse/review.html
http://www.zueritipp.ch/dyn/kino/?eid=339946&aid=1052737&region=1
http://www.students.ch/magazin/details/22425/La-Forteresse
http://www.art-tv.ch/3135-0-ch-kino--la-forteresse.html
http://www.mzbern.ch/pages/index.cfm?dom=139&id=102053790&rub=100004701&arub=100211544&orub=10
0211531&osrub=100211531&sda=0
http://www.filmsprung.ch/wordpress/?p=775
http://www.sonntagszeitung.ch/home/artikel-detailseite-sda/?newsid=69933
http://www.24heures.ch/vaud/actu/2008/08/11/forteresse-asile-percee-fernand-melgar (Französisch)
http://www.scenesmagazine.com/spip.php?article954 (Französisch)
http://www.climage.ch/qsPortal/Home.asp?C=104&N=954 (Französisch)
http://www.hebdo.ch/Fernand_Melgar_Film_Locarno_requerants_680_.html (Französisch)
http://www.tsr.ch/tsr/index.html?siteSect=200001&sid=9730323 (Französisch)
INTERVIEWS MIT FERNAND MELGAR
http://www.amnesty.ch/de/aktuell/magazin/57/la-forteresse
http://www.sf.tv/sfwissen/dossier.php?docid=17292&navpath=pol/inl sf tv kulturplatz
TRAILER
http://www.laforteresse.ch/PRESS/forteresse_trailer_web_en.mov
http://www.youtube.com/watch?v=q5zzSs4GWJk
FILMAUSSCHNITTE
http://www.sf.tv/sfwissen/dossier.php?docid=17292&navpath=pol/inl sf tv kulturplatz
MEDIENMELDUNGEN ZUR AUSSCHAFFUNG VON FAHAD KHAMMAS (eine der Hauptfiguren im Film)
http://www.sf.tv/sfwissen/dossier.php?docid=17292&navpath=pol/inl sf tv kulturplatz
http://tagesschau.sf.tv/nachrichten/archiv/2009/03/02/schweiz/irakischer_asylbewerber_noch_nicht_ausgeschaf
ft
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Abgewiesener-Iraker-darf-vorerst-bleiben/story/23880402
http://bazonline.ch/schweiz/standard/Abgewiesener-Iraker-darf-vorerst-bleiben/story/23880402
http://www.st.gallen.ch/news/detail.asp?ID=375495
http://www.tagblatt.ch/aktuell/kultur/kultur/-La-forteresse-Die-Realitaet-holt-den-Film-ein;art624,1276053
http://www.aol.ch/main/story/Irakischer-Asylbewerber-Fahad-Khammas-noch-nichtausgeschafft/7917294/index.html
http://www.news.ch/Asylbewerber+wehrt+sich+gegen+Ausschaffung/375495/detail.htm
http://www.tsr.ch/tsr/index.html?siteSect=200001&sid=10397989 (Französisch)
http://www.swissinfo.ch/fre/a_la_une/Le_renvoi_facon_Dublin_c_est_pas_du_cinema.html?siteSect=105&sid=1
0414309&cKey=1236685266000&ty=st (Französisch)
http://news.google.ch/news?hl=de&q=%22Fahad+Khammas%22&lr=lang_de&um=1&ie=UTF8&ei=YwO5SersMdKX_gaZjeyjBg&sa=X&oi=news_result&resnum=11&ct=title
PRESSESTIMMEN
«Wie selbstverständlich Melgar Szenen der Anteilnahme und Distanz nebeneinanderstellt, das ist lebendige,
manchmal erschütternde Gegenwartsgeschichte aus der Schweiz, die das strengste Asylgesetz Europas
eingeführt hat.» sf tv kino aktuell
«Sich berufend auf eine Geistesverwandtschaft mit den belgischen Gebrüdern Dardenne und dem Briten Ken
Loach träumt Fernand Melgar von einer sozialen Freske, verbietet sich aber jegliche Schwarzweissmalerei,
"was wohl ein Militanter der Linksextremen tun würde." Kein marxistischer Werkzeugkosten, keine militante
Doktrin, aber ein offenes Auge.» 24 heures Région La Côte
«Dieser Blick hinter die Mauern des nüchternen Asylbewerber-Auffanglagers – eines von fünf in der Schweiz –
ist so eindrücklich, weil der Dokumentarfilm erzählt, ohne zu urteilen... La forteresse stiess auf Begeisterung von
Kritik, Publikum und Festivaljurys. In Locarno gewann er den Goldenen Leoparden in der Kategorie «Cinéastes
du présent». Gewürdigt wurde damit ein äusserst authentisch wirkender Dokumentarfilm, der so glaubwürdig ist,
dass ihn Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf allen zeigen will, die im Flüchtlingswesen beschäftigt sind.»
Cinema Buch
«Fernand Melgar ist das schier Unmögliche geglückt: Er hat einen Film über das kontroverse Thema
Asylverfahren gedreht und erhält dafür Lob von allen Seiten... Melgars mehrfach preisgekröntes Werk gilt,
obgleich ihm die Jury des Schweizer Filmpreises am Wochenende einen Quartz vorenthielt, als einer der
Höhepunkte des Schweizer Filmschaffens der letzten Jahre.» SonntagsZeitung
«Melgar beobachtet, ohne einen Kommentar über die Bilder zu legen - er lässt die Bilder Kommentar sein...
Melgars Verdienst ist es, uns einen persönlichen Einblick in die Asylthematik zu verschaffen - ein willkommenes
Gegengewicht zu den ewiggleichen, von Parteiengezänk geprägten TV-Debatten.» Züritipp
«La Forteresse ist ein eindrücklicher Dokumentarfilm über Asylsuchende in der Schweiz. Der Film erhielt
mehrere Auszeichnungen, darunter den Goldenen Leoparden des Filmfestivals Locarno... Der Film zeigt den
täglichen Aussortierunsprozess von Menschen, ohne darüber zu urteilen... Wir Zuschauer sollen uns unseren
eigenen Reim darauf machen. Das ist nicht immer einfach, aber sehr spannend.» Radio DRS
««La forteresse» ist ein rein beobachtender Dokumentarfilm - ohne Kommentare oder Interviews... Durch die
nüchterne Betrachtung überlässt der Regisseur das Urteil fast ganz dem Publikum. Melgar verzichtet zwar auf
Manipulation durch Musik oder Interviews, aber die (bewusste oder unbewusste) Entscheidung, den Film im
Winter zu drehen, beeinflusst die Wahrnehmung trotzdem. Der dichte Nebel verstärkt den Eindruck von
Isolation und Trostlosigkeit. Darüber täuscht auch eine in den Schnee gezeichnete, lachende Figur nicht weg.
Unabhängig davon ist «Le forteresse» ein eindrücklicher und scheinbar ausgewogener Dokumentarfilm über
das Leben in einem Empfangs- und Verfahrenszentren.» cineman.ch
«Was diesen Film so stark macht, ist sein Verdienst den Zuschauer inmitten eines kargen und gleichwohl mit
menschlichen Schicksalen gefüllten, hochstrategischen Ortes zu versetzen. Die schlichte Präsentation des
Themas öffnet den Blick dafür, wie Intransparenz und Not zur Selektion das Personal mehr schlecht als recht
über die Flüchtlingsschicksale entscheiden lässt.» art.tv.ch
«La Forteresse ist ein interessanter Film mit sehr emotionalen Einblicken in den Alltag eines solchen
Auffangszentrums und der Thematisierung eines äusserst heiklen Themas in der Schweiz. Gelungen
umgesetzt, kann man diesen Film nur weiterempfehlen, für jedermann.» outnow.ch
«Fernand Melgar schafft ein sehr eindrückliches Bild von diesem Ort, der so unweigerlich das Bildnis von der
Schweiz prägt.» students.ch
DOSSIER ZUM FILM
LA FORTERESSE
Ein Film von Fernand Melgar
Schweiz 2008, 100’, 35mm, Originalfassung F+DIV/deutsche und französische Untertitel
Nach ihrer nicht selten lebensgefährlichen Reise wähnen sich viele Flüchtlinge mit ihrer Ankunft im Land des Roten Kreuzes am Ziel, in
Sicherheit. Nur wenige ahnen, dass ihnen die letzte, entscheidende Prüfung noch bevorsteht: das neue Schweizer Asylverfahren.
Zum ersten Mal durchdringt in LA FORTERESSE eine Kamera uneingeschränkt die Mauern eines Schweizer Empfangszentrums für
Asylbewerber. Sie vermittelt einen menschlichen Blick auf einen kargen Übergangsort, wo 200 Männer, Frauen und Kinder zwischen Hoffen
und Bangen darauf warten, dass der Staat über ihr Schicksal entscheidet. Mitleid und Misstrauen prägen den Kontakt zwischen den
Flüchtlingen und dem Personal des Zentrums, welches das restriktivste Asylgesetz aller europäischen Staaten umsetzen muss. Mit Respekt
und nicht ohne Humor führt uns LA FORTERESSE («Die Festung») ins Zentrum eines Orts, wo täglich Menschen aussortiert werden.
www.climage.ch
www.looknow.ch
KINOSTART DEUTSCHSCHWEIZ: 12. März 2009
PREISE UND AUSZEICHNUNGEN:
Pardo d’Oro: Wettbewerb „Cinéastes du présent“ – Internationales Filmfestival Locarno
Grosser Preis ‚Cinéma vérité’: Internationales Filmfestival Teheran
Grosser Preis: Rencontres Internationales du film documentaire Montréal
Mention spéciale für den Schnitt: Rencontres International du film documentaire Montréal
Publikumspreis: Festival dei Popoli, Florenz
2
DER FILM
Nach der Flucht aus ihrem Land und einer oft unter Lebensgefahr angetretenen Reise wähnen sich viele Exilierte mit ihrer Ankunft im Land
des Roten Kreuzes am Ziel, endlich in Sicherheit. Nur wenige ahnen, dass ihnen noch die letzte, entscheidende (und vielleicht auch
schwierigste) Prüfung bevorsteht: das neue Schweizer Asylverfahren. Das 2006 vom Volk angenommene Gesetz ist heute für diese NichtEuropäer der einzige legale Weg, sich in unserem Land niederzulassen.
Wer in der Schweiz Asyl beantragt, muss dies in einem der fünf Empfangs- und Verfahrenszentren (EVZ) tun, die sich an den
Haupteingängen des Landes befinden: in Altstätten, Basel, Chiasso, Kreuzlingen und Vallorbe. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und
unter Ausschluss der Öffentlichkeit, beobachtet von zahlreichen Überwachungskameras und umgeben von Stacheldraht, sehen die
Asylsuchenden einem Verfahren entgegen, das höchstens 60 Tage dauern wird. In heimlichen, hermetischen und abseits gelegenen
Betonblöcken entscheiden moderne "Schweizermacher" aufgrund von zwei Einvernahmen und einer Vielzahl an Expertisen, ob ein
Asylantrag gerechtfertigt ist oder nicht. Heute wird nur einem Prozent der behandelten Fälle das Asylrecht zugestanden. Die anderen
erhalten bestenfalls eine provisorische Bewilligung, meistens aber nur 24 Stunden, um das Land zu verlassen.
Nach langen Verhandlungen öffnet das Bundesamt für Migration (BFM) zum ersten Mal die Türen eines solchen Zentrums für ein Filmteam,
ohne Einschränkungen, ohne Zensur. Eine Bewilligung, die in dieser Form noch nie zuvor ausgestellt wurde.
LA FORTERESSE ist ein rein beobachtender Dokumentarfilm – ohne Kommentare oder Interviews – der auf Augenhöhe darstellt, wie das
Empfangs- und Verfahrenszentrum in Vallorbe (im waadtländischen Jura) funktioniert. Gedreht wurde während genau 60 Tagen - dies
entspricht der maximalen Aufenthaltsdauer eines Gesuchstellenden. In diesen düsteren Übergangslokalitäten, quasi in Halbgefangenschaft
und gezwungen zum Nichtstun, warten zweihundert Männer, Frauen und Kinder verschiedenster Herkunft – an der Schwelle zwischen einer
schmerzhaften Vergangenheit und einer ungewissen Zukunft – darauf, dass der Bund über ihr Schicksal entscheidet.
Inmitten diieses Aussortierens von menschlichen Wesen entsteht das Porträt dieser Bundesinstitution aus der Sicht der Asylsuchenden,
aber auch der Mitarbeitenden, die für den Betrieb zuständig sind. Die Durchführung der Anhörungen, die Gewährleistung der Sicherheit, das
Reinigen der Zimmer, die Lebensmittelzubereitung... Rund 90 Personen sind in verschiedenen Funktionen damit beschäftigt, diese
komplexe Maschine am Laufen zu halten. Schweizer, Ausländer, Grenzgänger und manchmal auch ehemalige Asylbewerber – all diese
Angstellten haben ein spezielles Verhältnis zu ihrer Arbeit. Tag für Tag sind sie konfrontiert mit einem nicht abreissenden Migrantenfluss
und übernehmen die so heikle wie komplizierte Aufgabe, darüber zu bestimmen, wer gehen muss, und wer bleiben darf.
Der Film konzentriert sich auf rund zehn "Protagonisten", Angestellte wie Asylsuchende, und begleitet diese durch oft schwierige, manchmal
lustige und manchmal traurige Situationen, in einem Alltag, der zwar streng geregelt ist, aber trotzdem immer chaotisch bleibt. Diese Figuren
tauschen Blicke aus, manchmal entgegenkommend, manchmal misstrauisch, oft fragend und vielfach ausweichend. Gesamthaft ensteht das
aufschlussreiche Abbild einer Realität, wo Unterschiede in der Kultur und dem Status – Entscheidungsinstanzen auf der einen Seite,
Bittsteller auf der anderen – zum Alltag gehören. Anhand der verschiedenen Schicksale erzählt der Film mit einer schon fast fiktiven
narrativen Dichte davon, mit welcher Ambivalenz die Schweiz ihre Beziehung zu den Asylsuchenden pflegt.
Schon wieder ein Film über das Asylwesen? Durch seinen Ansatz und seine Form umgeht dieser Dokumentarfilm den allzuoft auf die
Begriffe "Opfer" oder "Missbraucher" reduzierten Diskurs und wirft einen offenen und unverbrauchten Blick auf die heute in Europa
entscheidende Frage der Migrationsströme und der selektiven Immigration, die Abhilfe schaffen soll. Ein sensibler und durchaus nicht
humorloser Blick wird geworfen auf die Vorgänge in diesem Mikrokosmos; es entsteht ein Spiegel des weltweiten Aufeinandertreffens von
Vermögenden, die "nicht das ganze Elend der Welt empfangen können" und den Benachteiligten dieses Planeten.
"Sich berufend auf eine Geistesverwandtschaft mit den belgischen Gebrüdern Dardenne und dem Briten Ken
Loach träumt Fernand Melgar von einer sozialen Freske, verbietet sich aber jegliche Schwarzweissmalerei, "was
wohl ein Militanter der Linksextremen tun würde." Kein marxistischer Werkzeugkosten, keine militante Doktrin,
aber ein offenes Auge."
- Alain Walther, 24 heures Région La Côte, 30.01.2008 -
3
EIN FILMISCHES EINTAUCHEN IN DIE REALITÄT
VERTRAUEN HERSTELLEN
LA FORTERESSE ist ein rein beobachtender Dokumentarfilm, ohne Kommentare oder Interviews. Im Vorfeld der 60tägigen Dreharbeiten –
von September 2007 bis Februar 2008 – wurden im EVZ von Vallorbe umfangreiche Vorbereitungen getroffen: mit Gesprächen und einer
beobachtenden Teilnahme wurde eine Vetrauensbeziehung mit den vor Ort agierenden Menschen, ob Asylsuchende oder Mitarbeitende,
geschaffen. Unterstützung in dieser Anfangsphase erhielt Fernand Melgar von Alice Sala, einer jungen Ethnologin mit Lizenziat an der
Universität von Neuenburg, die sich auf die Realisierung von Dokumentarfilmen spezialisiert. Der Austausch der vor Ort gewonnenen Ideen,
Eindrücke und Analysen war stets geprägt vom Willen, das Projekt zu hinterfragen und es mit dem notwendigen Verantwortungssinn
durchzuführen.
EINE QUASI FIKTIVE DRAMATURGIE
Bei Bildern, die man auf diese Weise einfängt, weiss man aus Prinzip nicht, "was geschehen wird". Um dem Film aber dennoch
dramaturgische Impulse zu verleihen und ihn für ein grosses Publikum verständlich und stimulierend zu gestalten, kontaktierte Fernand
Melgar den Drehbuchautoren Claude Muret (Les petites fugues von Yves Yersin, Connu de nos services von Jean-Stéphane Bron, Pas les
flics, pas les noirs, pas les blancs von Ursula Meier, L’usine von Alex Mayenfisch). Aufgrund des vor Ort gewonnenen Materials und fernab
von jeglicher Manipulation der Realität wurde versucht, der dokumentarischen Dimension des Erlebten diverse narrarive Strategien zu
unterlegen. Diese dramaturgische Arbeit wurde aufgegriffen von der Cutterin Karine Sudan (Mais im Bundeshuus und Mon frère se marie
von Jean-Stéphane Bron, L’accord von Nicolas Wadimoff, Exit von Fernand Melgar). Die Visionierung der Rushes geschah parallel zu den
Dreharbeiten. Das permanente Sortieren der Bilder und das Zusammenstellen der ersten Sequenzen ermöglichte es dem Team, ein
potenzielles Handlungsgerüst zu entwickeln und auf falsche Fährten zu reagieren, oder zumindest die Dreharbeiten präziser auszurichten.
KÖRPER ZU BILDERN WERDEN LASSEN
In der Vorbereitungsphase schoss Fernand Melgar mehr als 4’000 Fotos vor Ort: "Durch diese fotografische Beziehung zu den Menschen
im EVZ, ob Asylsuchende oder Mitarbeitende, konnte ich feststellen, wie diese Menschen auf eine Kamera reagieren, und abwägen, wie sie
ein anwesendes Filmteam wahrnehmen würden. Nach anfänglichem Misstrauen wurde ich zum Porträtfotografen dieser Menschen und gab
ihnen zahlreiche Abzüge." Als langjähriger Begleiter des Regisseurs und als Experte der beobachtenden Schulterkamera wurde der
Kameramann Camille Cottagnoud (Exit von Fernand Melgar, Retour à Gorée von Pierre-Yves Borgeaud) damit beauftragt, "den richtigen
Moment" zu erwischen: sinnvoll komponierte und gleichzeitig filmisch wertvolle Bilder und Sequenzen.
EIN UNVERFÄLSCHTES KLANGBILD
"Ich benutze keine komponierte Musik für meine Filme. Meiner Meinung nach sind bei einem rein beobachtenden Film der Einsatz von
Kommentaren aus dem Off oder von Musik bereits Eingeständnisse des Scheiterns. Erklärende, untermalende oder emotionssuggerierende
Elemente kompensieren höchstens für das, was das Bild nicht von allein hergibt. Ich möchte dem direkt eingefangenen Ton vertrauen, er
stellt für mich das unsichtbare Bild meiner Filme dar. Stimmen,Schreie, ein Rascheln oder der Wind in den Bäumen sind aus meiner Sicht
von einer grossartigen Musikalität . Es kommt für mich nicht in Frage, sie als Kulisse zu verwerten oder sie in einen Klangteppich zu
verwandeln." Wie auch das Bild wurde der Ton direkt im Kontakt mit den Intervenierenden aufgenommen, ohne sie aber deswegen zu
behindern oder ihre natürlichen Aussagen und Haltungen zu verfälschen. Marc Von Stürler (Que viva Mauricio Demierre von Stéphane
Goël, Le théâtre des opérations von Benoît Rossel, Ossona (Postproduktion) von Jacqueline Veuve) war für die Tonaufnahmen von LA
FORTERESSE verantwortlich. Alexander Miesch und Denis Séchaud, die bereits an EXIT mitwirkten, kümmerten sich um den Tonschnitt
respektive die Tonabmischung. "Was mir vorschwebt ist ein Film, den man selbst mit geschlossenen Augen geniessen kann."
Alice Sala, Camille Cottagnoud, Marc Von Sturler et Fernand Melgar
4
DAS EMPFANGS- UND VERFAHRENSZENTRUM IN VALLORBE
EMPFANGSBEDINGUNGEN
Das Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) von Vallorbe hat seit seiner Eröffnung am 13. November 2000 fast 40'000 Personen
aufgenommen. Ein Drittel der Asylsuchenden des Landes kommt in dieses EVZ, und jede Woche klopfen zwischen 50 und 70 neue
Menschen an. Ursprünglich waren Aufenthalte von 2 bis 5 Tagen vorgesehen, doch mit einer Bundesverordnung vom Frühling 2006 wurde
die Maximaldauer von 30 auf 60 Tage angehoben, ohne dass deswegen die Empfangsbedingungen verbessert worden wären. Die
Asylsuchenden werden in grossen Schlafräumen untergebracht, in einer manchmal heiklen Nähe zu Personen aus anderen Kulturen, und
beteiligen sich an Haushalts- und Unterhaltsarbeiten. Sie werden permanent überwacht, sind regelmässigen Durchsuchungen ausgesetzt
und in einen drastischen Zeitplan eingebunden. Während ihres Aufenthalts müssen sie an zwei Anhörungen teilnehmen, worauf man ihnen
"höflich nein sagen wird." (Fernand Melgar). Heute wird nur einem Prozent der behandelten Fälle des Zentrums der Flüchtlingsstatus
zugestanden.
EIN EHEMALIGES LUXUSHOTEL
Das streng bewachte und für die Öffentlichkeit unzugängliche Gebäude erinnert stark an ein Gefängnis. Als es jedoch 1896 mit englischen
Geldern gebaut wurde, war es als Luxushotel konzipiert.1954 wurden die Lokalitäten vom Bund aufgekauft und in eine Militärkaserne
umfunktioniert. Ganz in der Nähe verbindet der Anfangs des 20. Jahrhunderts von hunderten italienischen Arbeitern gebaute
Eisenbahntunnel vom Mont d’Or die Schweiz mit Frankreich. Es kommt immer noch vor, dass Asylsuchende zu Fuss durch diesen Tunnel
ins Land und zum EVZ gelangen – ein Bild, das an die Mobilmachung erinnert. Im Juli 1941 wurde der Tunnel von den Deutschen
zugemauert, um illegal Einreisende abzuhalten.
EIN SCHANDFLECK IN DER LANDSCHAFT
Die in Bern beschlossene Umfunktionierung der ehemaligen Kaserne in ein EVZ stiess bei der Bevölkerung von Vallorbe auf grossen
Widerstand. Man war besorgt darüber, was für ein Bild die frierenden Asylsuchenden im Bahnhof an der TGV-Strecke Lausanne-Paris
abgeben würden. Man fürchtete auch um die eigene Sicherheit – eine Angst, die verstärkt wurde einige unglückliche Vorfälle, aber auch
einen immer radikaleren politischen Diskurs in der Ausländer- und Asylthematik . Diese Spannungen haben sich mittlerweile gemildert, nicht
zuletzt auch, weil sich für die Region wirtschaftliche Vorteile ergaben. Viele lokale Unternehmen verdienen am EVZ, und mehrere Dutzend
Menschen aus der Umgebung arbeiten dort .
DIE ANGESTELLTEN DES EVZ
Das EVZ ist ganzjährlich 24 Stunden pro Tag offen, und fast 90 Personen sind notwendig, um den anhaltenden Migrationsfluss im Griff zu
behalten und zu kanalisieren. Das Personal teilt sich in fünf Kategorien auf: Befragende des Bundesamtes für Migration (23 Personen),
Verteter von Hilfswerken (10 Personen), Fürsorgende (22 Personen), Securitas (19 Personen) und Seelsorgende (4 Personen). Zur
Sicherheit, und um das Anonymat der Mitarbeitenden des EVZ zu wahren, spricht man sich nur mit Vornamen an: Claude von der Securitas,
Estrela von der Fürsorge. Zudem dürfen die Mitarbeitenden den Asylsuchenden innerhalb des Zentrums ihre Privatadressen nicht mitteilen.
"Die Reise von Afrika bis hierher war für die meisten schon eine gewaltige Irrfahrt. Da macht ein
Nichteintretensentscheid für sie auch keinen grossen Unterschied mehr! Für sie ist es nur noch
eine Frage des Wartens. Oft sagen sie mir, dass sie eines Tages Glück haben werden. [...] Es
gibt Asylsuchende, an die ich mich mein ganzes Leben lang erinnern werde, Anhörungen die
mich emotional völlig ausgelaugt haben, weil sie so schmerzhaft waren." – Olivier, Befrager
"Manchmal schmerzt es mich, die Entscheide bekanntzugeben, vor allem, wenn Kinder dabei
sind." Nadine, Befragerin.
"Wenn Asylsuchende gefoltert wurden und mir ihre Narben zeigen, denke ich: "Wir sind hier
schon enorm privilegiert..." Als ich hier anfing, war ich nicht darauf gefasst. Ich hätte nie gedacht,
dass es so hart sein würde." - Francine, Hilfswerksvertretung
"Wir wissen nicht, wo sie herkommen, und sie wissen nicht, wo sie hingehen." – Estrela von der
Fürsorge
"Wir sind hier Psychologen, die Toiletten reinigen." – Mousse von der Fürsorge
"Ich bin hier eigentlich das ganze Jahr in den Ferien. Mit all diesen Völkern habe ich einen
Mikrokosmos in meinem Dorf, ein Konzentrat des menschlichen Lebens. Draussen erlebst Du in
einem Jahr nicht so viel wie hier drin in einem Tag. Alles ist wie in einem Film. Ich erlebe hier
Konflikte, die ich draussen nicht haben würde, aber auch sehr schöne Geschichten." - Claude,
Securitas-Verantwortlicher
"Ich höre ihnen zu, aber nicht zu lange, schliesslich bin ich nicht als Sozialarbeiter hier." –
Sébastien, Securitas-Angestellter
"Ich habe das Gefühl, in einer Festung zu leben, in die niemand mehr hineingelassen wird." –
Pierre-Olivier, protestantischer Seelsorger
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ANMERKUNGEN DES REGISSEURS
Es war an einem Sonntag abend
Das Abstimmungsergebnis vom 24. September 2006 war deutlich: die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung sagte Ja zur "Lex
Blocher" und verlangte somit eine Verschärfung des Asyl- und Ausländergesetzes. Am Fernsehen wurden die wichtigsten Änderungen
zusammengefasst: abgewiesene Asylsuchende erhalten keine Sozialhilfe mehr, wer trotzdem bleibt, riskiert ab dem Alter von 15 Jahren bis
zu zwei Jahren Haft. Oder auch: jede asylsuchende Person ohne Identitätspapiere wird innert 48 Stunden ausgewiesen; es sind
Durchsuchungen ohne entsprechenden Befehl möglich, selbst in privaten Unterkünften; wer Asylsuchende beherbergt oder unterstützt,
riskiert bis zu einem Jahr Gefängnis; kein automatischer "Ausweis C" (Niederlassungsbewilligung) mehr für Ausländer, die seit über zehn
Jahren in der Schweiz wohnhaft sind; Einschränkungen zum Familiennachzug (obwohl dieser von der europäischen Konvention der
Menschenrechte garantiert wird) und zur Heirat zwischen Schweizern und Ausländern.
Zugegeben, der Ausgang der Abstimmung kam nicht überraschend. Aber das Ausmass (68% Ja-Stimmen) und der landesweite Konsens
haben mich zutiefst schockiert. Vor allem in einer Nation, wo jede fünfte Person ausländisch ist und die Anzahl der Asylgesuche so tief liegt
wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die populistische Rechte feierte ihren überragenden Sieg, nachdem sie im Verlauf einer fremdenfeindlichen
Kampagne jeden erdenklichen Zwischenfall aufs Podest gehoben hatte und eine Angst vor allen nichteuropäischen Ausländern schürte;
wobei auch Europa selbst von einem Teil der Bevölkerung nach wie vor mit Skepsis betrachtet wird. Der Tribun dieses Volks, Bundesrat
Christoph Blocher, verkündete: "Die zahlreichen Probleme im Zusammenhang mit dem erhöhten Ausländeranteil in der Schweiz sind damit
noch nicht gelöst. Es geht jetzt darum, die permanenten Verstösse gegen unsere kulturellen und sozialen Regeln sowie unsere christlichen
und demokratischen Grundwerte durch integrationsunwillige Ausländer zu unterbinden." Und er nannte die zukünftigen Pläne seiner Partei:
Zwangsintegration, Einbürgerung auf Probe, Ausschaffung von ganzen Familien, wenn einziges Mitglied straffällig wird, die Einschränkung
islamischer Praktiken, die erneute Infragestellung des Antirassismusgesetzes, da es die Redefreiheit behindere etc.
An diesem Abend hatte ich Bauchschmerzen. Ein Unwohlsein überfiel mich, und schmerzhafte Kindheitserinnerungen wurden wach. Es war
in den frühen Siebzigern, an einem Sonntagabend, ich war zehn Jahre alt. Wir verfolgten aufmerksam die Tagesschau am Fernsehen.
Damals lebten wir als spanische Immigrantenfamilie in einem Arbeiterquartier in Lausanne. Mein Vater war 1962 als Saisonnier eingereist.
Er gehörte zu diesen billigen Arbeitskräften, die sich die Schweiz in der Nachkriegszeit aus dem Süden Europas beschaffte. Zehntausende
Arbeiter wurden in dreckigen Baracken untergebracht. Sie mussten für Hungerlöhne Schwerstarbeit verrichten und waren abhängig von
ihren Arbeitgebern, welche die Verträge verlängerten oder auch nicht, und von der Fremdenpolizei, die ihnen im Nacken sass.
Mein Vater litt unter der Trennung von seiner Familie. Eines Tages, ein Jahr nach seiner Ankunft, liess er uns illegal nachreisen. Meine
Mutter fand schnell Arbeit, meine Schwester und ich waren tagsüber wie viele Saisonnierkinder in der Wohnung eingesperrt. Wenn an der
Tür geklingelt wurde, versteckten wir uns unter dem Bett. Schliesslich normalisierte sich die Lage: meine Eltern erhielten eine
Aufenthaltsbewilligung, und wir durften die Schule besuchen.
Auch an diesem Sonntag wurde abgestimmt. Die von Nationalrat James Schwarzenbach lancierte Initiative "gegen Überfremdung" wollte
den Bevölkerungsanteil der immigrierten Arbeiterschaft senken. Im ganzen Land wurden hitzige Debatten geführt. Die Linke wehrte sich,
aber auch die liberale Rechte bekämpfte dieses Projekt, weil sie es als wirtschaftlichen Suizid betrachtete: die Landwirtschaft, die Hotellerie
und das Baugewerbe waren noch zu stark auf billige Arbeitskräfte angewiesen. Meine Eltern rechneten mit der Ausschaffung. Die Nachbarn
hatten vor unserer Tür einen Koffer aus Karton deponiert. Auf dem Schulhof wurden wir von den Schweizer Kindern gehänselt: "Die
Tschinggen und Spaniöggel können abfahren!"
Die Schwarzenbach-Initiative wurde knapp abgelehnt. Mein Vater meinte damals: "Eines Tages werden sie Ja sagen. Für uns gibt es keine
Zukunft hier." Diese Initiative hat bei einer ganzen Generation von Immigranten tiefe Wunden hinterlassen. Wie viele Betroffene lebten
meine Eltern von diesem Moment an mit der Angst, vom einen Tag auf den anderen ausgewiesen zu werden. 1989, nachdem sie 27 Jahre
in der Schweiz gelebt hatten, kehrten meine Eltern nach Spanien zurück. Meine Schwester und ich blieben hier.
6
Als meine Kinder zur Welt kamen, setzte ich ein ziemlich kompliziertes, dreijähriges Einbürgerungsverfahren in Gang. Mein Vater fühlte sich
verraten, als ich ihm meinen Pass mit dem Schweizer Kreuz zeigte. Seine Reaktion kränkte mich, denn ich hatte den Grossteil meines
Lebens in der Schweiz verbracht und hier meine Familie gegründet. Ich wollte ein "ganzer" Bürger sein, meinen Kindern Wurzeln bieten und
endlich abstimmen dürfen.
Am Abend des 24. Septembers 2006 wurde mir klar, dass sich mein Vater nicht geirrt hatte: diesmal hatte das Schweizer Volk Ja gesagt.
Ich empfand eine grosse Enttäuschung und schämte mich für meine Wahlheimat. Als frisch eingebürgerte Person erkannte ich mich in
diesem Entscheid nicht wieder. Ich dachte daran, was meine Eltern durchgemacht hatten, und an den Ausländer, der ich selbst einmal war.
An diesem Abend stand ich im Widerspruch mit mir selbst. Was bedeutet diese Ablehnungshaltung, die in diesem Land gepflegt wird? Sind
die Schweizer ein fremdenfeindliches Volk? Oder ist diese Ablehnung eine Antwort auf ein mangelndes Vertrauen in die nationale Identität,
ein zusammenschweissendes Element in einer Schweiz, die sich vom umliegenden Europa und vom Rest der Welt bedroht fühlt?
Als Erbe der Neutralität ist das Asylrecht ein Kernstück der humanitären Tradition der Schweiz. Dieses Land der Menschenrechte und der
grossen humanitären Institutionen war in seiner langen Geschichte stets eine privilegierte Destination für Flüchtlinge, egal mit welcher
Herkunft, Konfession oder politischen Gesinnung. Die Genfer Konvention ist die Basis dieser Asylpolitik. Sie funktioniert nach dem Prinzip,
dass keine Person in ihre Heimat ausgewiesen werden darf, wenn dort ihr Leben oder ihre Freiheit gefährdet ist, oder wenn sie dort Folter
oder erniedrigende Bestrafungen zu befürchten haben.
Dass nun aber die Schweizer Bevölkerung eines der strengsten Asylgesetze in Europa angenommen hat, scheint das Ende dieser langen
humanitären Tradition einzuläuten. Dieses Gesetzt dient den europäischen Rechtsextremen als Referenz: Le Pen hat betont, dass "die
neuen Schweizer Regeln in etwa der Sache entsprechen, die sich der Front National für Frankreich wünscht", und die österreichische
Rechtsextreme hat sie in ihrer Wahlkampagne angeführt. Es macht den Anschein, dass wir uns von einer humanitären Arche Noah wieder
hin zu den düsteren Stunden des letzten Weltkriegs bewegen, als Bundesrat Eduard Von Steiger das Abweisen von Juden an den Grenzen
mit den folgenden Worten begründete: "Das Boot ist voll".
In der Revision des Asylgesetzes wie auch im neuen Ausländergesetz werden Migranten in erster Linie als Bedrohung wahrgenommen, als
Unruhestifter und Profiteure, vor denen man sich zu hüten habe. Man zieht Barrikaden auf, entweder indem man jegliche Form von
Einwanderung unterbindet, die nicht aus der Europäischen Union stammt (betroffen sind also 95% der Weltbevölkerung!), oder indem man
das Gewähren von Asyl quasi einem Wunder gleichsetzt. Und schafft es ein Ausländer tatsächlich, mit welchem Status auch immer, die
Grenzen zu überschreiten, so wird er dennoch weiterhin als Bürger zweiter Kategorie behandelt.
Ich möchte verstehen, woher in diesem Land die Angst vor dem Fremden kommt, warum wir unsere Türen verschliessen und dieses
einstige Asylland in eine uneinnehmbare Festung verwandeln. Für dieses Projekt beschloss ich, meinen Blick auf einen strategisch
wichtigen Ort zu richten: ein Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ). Denn hier, in dieser Eingangsschleuse für Flüchtlinge, nimmt das
Schicksal der Asylbewerbenden seinen Lauf. Hier wird sortiert, hier fallen Entscheidungen. Nach zwei Gesprächen bestimmen
Bundesbeamte über das Leben des Asylbewerbers: er darf bleiben, oder er muss gehen. Von den fünf Schweizer EVZ habe ich dasjenige
für die Westschweiz ausgewählt, das sich in Vallorbe befindet, einer Kleinstadt mit 3'000 Einwohnern im waadtländischen Jura.
Fernand Melgar, März 2007
7
FERNAND MELGAR – PORTRÄT & AUSGEWÄHLTE FILMOGRAFIE
Wurde 1961 als Sohn von spanischen Gewerkschaftern geboren, die in Tanger, Marokko
exiliert waren. 1963 reiste er mit seiner Mutter heimlich in die Schweiz ein, zu seinem Vater,
der dort als Saisonnier arbeitete. Er unterbrach sein Handelsstudium Anfangs der Achtziger,
um gemeinsam mit Freunden das alternative Kulturlokal Le Cabaret Orwell und später die
international renommierte Konzertbühne La Dolce Vita zu gründen. Er programmierte dort
Kunstvideos und bildete sich als Autodidakt zum unabhängigen Regisseur und Produzenten
aus. Ab 1983 realisiert er Experimentalfilme und unkonventionelle Reportagen für das
Fernsehen. 1985 stiess er zur Gemeinschaft Climage, der er bis heute angehört, um dort
rund zehn Dokumentarfilme zu drehen, die heute als Referenzwerke zu Immigrations- und
Identitätsfragen gelten. Er besorgte den Schnitt von mehreren Filmen von Jacqueline
Veuve, darunter auch Le Journal de Rivesaltes, der 1998 den Schweizer Filmpreis gewann.
Sein letzter Dokumentarfilm EXIT – DAS RECHT ZU STERBEN erhielt mehrere
internationale Auszeichnungen, darunter auch den renommierten Golden Link Award für die
beste europäische Koproduktion und den Schweizer Filmpreis 2006. Als Preisträger des
2007 von der Télévision Suisse Romande TSR lancierten Drehbuchwettbewerbs steckt er
zurzeit in der Vorbereitung seines ersten Spielfilms, LOIN DERRIERE LA MONTAGNE. Er
lebt und arbeitet in Lausanne.
EXIT – Das Recht zu sterben, 2005, Dok, 85', Koproduktion JMH – TSR.
Über Sterbehilfe in der Schweiz. Schweizer Filmpreis 2006, Golden Link für den besten europäischen Dokumentarfilm im gleichen Jahr und
spezielle Erwähnung der Jury am Festival International du Film Francophone von Namur. Internationaler Wettbewerb an den Visions du
Réel 2005 in Nyon - Etats Généraux du Documentaire in Lussas (FR) 2005 - Rencontres Internationales du Documentaire in Montréal 2005.
Kinostart im September 2005.
La vallée de la jeunesse, 2005, Dok, 26’, Koproduktion TSR - Cie Philippe Saire.
Über die Arbeit des Choreografen Philippe Saire; sechster Beitrag der Serie Cartographies, gezeigt in der Sektion Cinéastes du Présent am
Internationalen Filmfestival von Locarno 2005.
Teilnahme an der Collection L’HISTOIRE C’EST MOI, 2003, über diverse geschichtliche Aspekte der Schweiz während der Mobilmachung.
Produziert von Frédéric Gonseth, in Zusammenarbeit mit der Vereinigung Archimob und in Koproduktion mit SRG SSR idée suisse.
Dokumentarfilme: “J”, 15’, über Antisemitismus ; À l'arrière, Ko-Regie mit Grégoire Mayor, 15’, über das Leben der Frauen ; À table, KoRegie mit Grégoire Mayor, 15’, über Ernährungsprobleme. 204 und 2005 vom Schweizer Fernsehen zur Hauptsendezeit gezeigt.
Collection PREMIER JOUR, 2000-2003, Kollektion 10x 10’, Dok, Koproduktion JMH - ARTE - TSR.
Jeder Film begleitet einen Tag lang eine Einzelperson,die einen Schlüsselmoment ihrer Existenz durchlebt. Vorpremiere an den Visions du
Réel in Nyon. Prämiert am Festival Cinéma Tout Ecran, Genf und an den Kurzfilmtagen Winterthur. Nominiert für den Schweizer Filmpreis.
Remue-ménage, 2002, Dok, 60’, Koproduktion JMH - ARTE - TSR.
Pascal, 35 Jahre alt, Familienvater, beschliesst, sich vor den Augen aller als Frau anzuziehen. Prämiert an den Traces de vies 2003,
Clermont Ferrand. Internationaler Wettbewerb an den Visions du Réel 2003, Nyon - Leipzig Film Festival 2003 - Chicago Film Festival 2003
- Rencontres Internationale Documentaires von Montreal 2003 - NewFest 2004: New York Lesbian, Gay, Bisexual, & Transgender Film
Festival - Pink Film Festival Zürich.
Classe d’accueil, 1998, Dok, 56’, Koproduktion TSR- ARTE.
Über die Integration von ausländischen Jugendlichen in der Schweiz. Uraufgeführt 1998 an den Solothurner Filmtagen. Prämiert im gleichen
Jahr in Genf an den Rencontres Médias Nord-Sud. Wird in zahlreichen Schulklassen als pädagogisches Mittel eingesetzt.
Album de famille, 1993, Dok, 56’, Koproduktion TSR.
Über die Emigration einer spanischen Familie, sie sich in den Sechzigern in der Schweiz niederlässt.
EXIT – Le droit de mourir
La Vallée de la jeunesse
Classe d’accueil
Album de famille
Weitere Informationen zu diesen Produktionen und detaillierte Filmografie unter www.climage.ch
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STAB
LA FORTERESSE, Schweiz, 2008, Dokumentarfilm, 100’.
Regie
Kamera
Ton
Schnitt
Wissenschaftliche Mitarbeit
Mitarbeit Drehbuch und Schnitt
Grafik
Licht-/Farbabstimmung
Tonschnitt
Tonabmischung
Produktion
Delegierter Produzent
Fernand Melgar
Camille Cottagnoud
Marc von Stürler
Karine Sudan
Alice Sala
Claude Muret
Janka Rahm
Patrick Lindenmaier
Alexandre Miesch
Denis Séchaud
CLIMAGE
Fernand Melgar
Drehformat
Tonformat
Vorführformat
Originalversion
Untertitel
HDCam 16/9
Dolby digital SR
35mm 1/1.66
Französisch & Div.
Französisch-Deutsch /
Englisch (Festivalkopie)
Koproduktion
Finanzielle
Unterstützung
Beteiligung
TSR – Télévision suisse / unité documentaire /
Irène Challand & Gaspard Lamunière;
TSI – Televisione svizzera / Luisella Realini ;
SRG SSR idée suisse / Alberto Chollet ;
ARTE G.E.I.E. / unité documentaire /
Christian Cools
Office Fédéral de la culture (DFI) ;
La Fondation Vaudoise pour le Cinéma ;
Fonds Régio Films ;
Succès Cinéma ;
Succès Passage Antenne
Radio et Télévision Belges Francophones /
Claire Collart
KONTAKTE UND LINKS
Produktion & weltweite Rechte
Climage
Maupas 8
CH-1004 Lausanne
T +41 (0)21 648 35 61
F +41 (0)21 646 27 87
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Gasometerstrasse 9
CH-8005 Zürich
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F +41 (0)44 440 26 52
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Pressekontakt
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Hintergrundinfos
zur Volksabstimmung vom 24. September 2006
Worum ging es?
Die Teilrevision des Asylgesetzes ist Teil einer umfassenden Migrationspolitik. Das neue Asylgesetz
regelt die Aufnahme von Menschen aus humanitären Gründen, es will den Asylmissbrauch verhindern
und sich an das entsprechende EU-Recht anpassen sowie verschiedene bestehende Regelungen
präzisieren. Trotzdem es versucht, Missbräuche im Asylwesen einzudämmen, soll es verfolgten
Menschen in der Schweiz, wie bisher, umfassenden Schutz bieten. Die Gegner der Revision
befürchten, dass die humanitäre Tradition der Schweiz dadurch gefährdet ist und haben damals das
Referendum gegen die Teilrevision des Asylgesetzes ergriffen.
Bundesrat und Parlament befürworteten aber die Änderungen im Asylgesetz.
Die Änderungen im Asylgesetz wurden am 24. September 2006 mit 67.75% angenommen, bei einer
Stimmbeteiligung von 48.4%.
Wichtigste Änderungen
-
Das Verfahren bei Asylsuchenden ohne Identitätspapiere wird verschärft.
Asylsuchende die bereits in anderen Ländern abgewiesen wurden, erhalten nur noch Nothilfe.
Die maximale Dauer der Vorbereitungs- und Ausschaffungshaft wird von 12 auf 24 Monate
verlängert.
Die Kantone können über die Aufenthaltsbewilligung des Asylsuchenden entscheiden. Vorher
übernahm diese Aufgabe der Bund.
Der Bund kann bereits nach der erstinstanzlichen Ablehnung des Gesuchs die zur Abweisung
notwendiger Papiere im Heimatland des Bewerbers, der Bewerberin besorgen.
Zur Feststellung des Sachverhaltes, sind die Flüchtlinge neu verpflichtet biometrische Daten
(Fingerabdrücke, DNS, Knochenanalysen) abzugeben.
Auswirkungen dieser Änderungen
Neu können die Behörden die mitgeführten Besitztümer von Asylsuchenden in Privatwohnungen
durchsuchen. Nur anhand eines Verdachtes kann somit direkt nach Vermögenswerten unklarer
Herkunft oder Drogen gesucht werden. Zudem steht es den Kantonen offen weitere Bestimmungen
und Massnahmen zu erlassen, um in den Unterkünften der Asylsuchenden für einen geordneten
Betrieb zu sorgen.
Ausgebaut wurden auch die Verfahren an den Flughäfen. Die dort zuständige Behörde kann vor Ort,
also direkt am Flughafen, ein Asylgesuch ablehnen oder entscheiden, auf ein Gesuch nicht
einzutreten.
Die Kantone haben dank dem neuen Gesetz die Möglichkeit, mit der Zustimmung des Bundesamtes
für Migration, einem ihnen zugewiesenen Asylsuchenden eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen,
insofern sich diese Person mindestens fünf Jahre in der Schweiz aufhielt, der Aufenthaltsort den
Behörden immer bekannt war und es sich wegen der fortgeschrittenen Integration um einen
schwerwiegenden persönlichen Härtefall handelt.
Es können neu auch Gebühren erhoben werden auf ein Widererwägungsgesuch (Gesuch um eine
neue Beurteilung eines abgeschlossenen Asyl- oder Wegweisungsverfahren), falls dieses erneut
abgelehnt wird. Wird das Gesuch gutgeheissen, so entfällt die Gebühr. Ist die Asyl suchende Person
mittellos, wird auf die Gebühr ebenfalls verzichtet.
Ein Asylgesuch wird abgelehnt, wenn der Bewerber innerhalb von 48 Stunden keine Identitätspapiere
vorlegen und gemäss einer zwei- bis fünfstündigen Anhörung des Asylbewerbers keine der folgenden
drei Ausnahmen gegeben ist:
-
Der Asylbewerber kann nachvollziehbare Gründe nennen, weshalb er nicht fähig ist, innerhalb
der gesetzten Frist die benötigten Papiere vorzulegen.
Der Asylsuchende wird von der zuständigen Behörde als Flüchtling im Sinne der gesetzlichen
Definition eingestuft.
Es sind zusätzliche Abklärungen notwendig, um den Flüchtlingsstatus im Sinne des
Bewerbers abzuklären.
Durch diese neue Regelung sollen missbräuchliche Gesuche schneller erkannt werden. Es ist aber
grundsätzlich möglich, dass wegen dieser Verschärfung mehr Fehlerbeurteilungen gefällt werden und
so echte Flüchtlinge nicht erkannt werden.
Geändert wurde auch die Unterstützung der Asylbewerber. Früher hatten grundsätzlich alle
Asylsuchenden den Anspruch auf Sozialhilfe, sofern sie nicht für sich selbst sorgen konnten. Nach
dem heutigen Gesetz aber werden abgewiesene Flüchtlinge von der Sozialhilfe ausgeschlossen und
erhalten nur noch Nothilfe. Diese Nothilfe beschränkt sich auf das absolute Existenzminimum.
Im revidierten Gesetz kann der Bund schon nach der erstinstanzlichen Ablehnung dem Heimatstaat
des Bewerbers Personendaten liefern, um die notwendigen Reisepapiere zu besorgen. Früher war
dies erst nach Behandlung allfälliger Rekurse erlaubt, um den Flüchtling und seine Angehörige besser
zu schützen.
Verschiedene Positionen
Befürworter
Die Befürworter wollten den Asylmissbrauch vermindern, in dem sie die Aufnahmenbedingungen
verschärften. Sie argumentierten damit, dass nur etwa 20% der Asylsuchenden amtliche
Identitätspapiere vorweisen können und somit die restlichen 80% das Asylverfahren bzw.
Rückschaffungsverfahren unnötigen erschweren.
Sie garantierten ebenfalls, dass auch mit dem revidierten Gesetz sämtliche echten Flüchtlinge
weiterhin Asyl in der Schweiz erhalten würden. Weiter können durch die kürzeren Fristen und dem
beschleunigten Verfahren, zum Beispiel durch die Reduzierung der Widererwägungsgesuche mittels
Gebührenerhebung, erhebliche Kosten gespart werden.
Zudem sollte auch der Vollzug der Ausschaffung, unter anderem durch die verlängerte
Ausschaffungshaft, verbessert werden. Zur Beschleunigung der Ausreise soll zudem die
Beschränkung auf Nothilfe für sämtliche Asylbewerberinnen und -berwerber mit negativem Entscheid
beitragen.
Gegner
Die Gegner befürchteten, dass mit der verschärften Regelung zu den Identitätspapieren die Gefahr
besteht, dass echte Flüchtlinge fälschlicherweise abgewiesen werden. Eine weitere Gefahr besteht
darin, dass durch die Sozialhilfestopps abgewiesene Asylbewerber abtauchen und auf der Strasse
leben, worunter die Städte und Gemeinden zu leiden hätten. Auch die längere Dauer der
Ausschaffungshaft sei unverhältnismässig und teuer. Kinder ab 15 Jahren können nun bis zu 12
Monaten inhaftiert werden. Die Gegner befürchteten weiter, dass Angehörige der Bewerberin, des
Bewerbers im Heimatland einer massiv erhöhten Gefahr ausgesetzt sind, weil der Bund neu schon
nach der erstinstanzlichen Abweisung den Heimatstaat wegen Reisedokumenten und
Identitätspapieren kontaktieren kann.
Problematisch fanden die Gegner auch die ausgedehnten Kompetenzen der Kantone, da einige
Kantone auch Härtefälle ausschaffen werden und so die Beurteilung stark von der Zuteilung in die
Kantone abhängig ist.
C’était un dimanche soir
« Le 24 septembre 2006, les résultats étaient sans appel : une large majorité de la
population suisse avait dit oui aux « lex blocher » et voté pour un durcissement des lois sur
l’asile et les étrangers. Le présentateur du téléjournal résumait les principaux
changements : les déboutés de l’asile seront privés d'aide sociale, ceux qui voudraient
rester risqueront deux ans de prison dès l’âge de 15 ans. Ou encore : toute personne
demandant l’asile sans papiers d'identité sera refoulée dans les 48 heures ; fouille sans
mandat de perquisition, même dans un logement privé ; toute personne qui accueille chez
elle, aide ou assiste un requérant d’asile débouté, risque la prison ferme pour une année ;
plus de permis C (droit d'établissement) automatique pour les étrangers ayant résidé dix
ans en Suisse ; restrictions sur le regroupement familial (pourtant garanti par la
convention européenne des droits de l'homme) et sur le mariage entre Suisse et étranger.
Certes, l'issue du scrutin ne faisait guère de doute. Mais c’est son ampleur (68% de oui) et
son unanimité territoriale qui m’ont profondément choqué. Surtout dans un pays où une
personne sur cinq est un étranger et où les demandes d'asile n’avaient jamais été aussi
basses depuis 20 ans. La droite populiste savourait son écrasante victoire après avoir
mené une campagne xénophobe montant en épingle chaque fait divers, attisant la peur de
l'étranger venu hors des frontières d'une Europe à laquelle la Suisse n'a toujours pas
adhéré et qu'une partie de la population continue d'observer avec scepticisme. Son tribun,
le conseiller fédéral Christoph Blocher, déclarait : «Les nombreux problèmes que pose la
proportion élevée d'étrangers en Suisse ne sont pas résolus pour autant. Il s'agit maintenant de mettre fin également à la constante violation de nos règles culturelles et sociales
ainsi que de nos valeurs fondamentales démocratiques et chrétiennes par des étrangers
qui refusent de s'intégrer ». Et de dévoiler les plans futurs de son parti : intégration
forcée, naturalisation à l’essai, expulsion de familles entières lorsque l’un de ses membres
commet un délit, mise à l’index de l’islam, remise en question de la nouvelle loi anti-raciste
comme atteinte à la liberté d’expression, etc.
J’ai eu mal au ventre ce soir-là. Une angoisse sourde m’a envahi et un souvenir douloureux
de mon enfance a refait surface. C’était au début des années 70, un dimanche soir, j’avais
dix ans. Nous regardions avec appréhension le téléjournal du soir. Nous étions une famille
d’immigrés espagnols vivant dans la banlieue ouvrière de Lausanne. Mon père était venu
comme « saisonnier » en 1962. Il faisait partie de cette main-d’œuvre bon marché que la
Suisse, dès l’après-guerre, était allée chercher dans le sud de l’Europe. Des dizaines de
milliers d’ouvriers étaient entassés dans des baraquements insalubres. On leur confiait les
travaux les plus pénibles pour un salaire de misère. Ils étaient à la merci de leur employeur
qui renouvelait ou non leur contrat de travail et de la police des étrangers qui les
terrorisait.
Mais mon père ne supportait pas de vivre sans sa famille. Un jour, une année après son
arrivée, il nous a fait venir clandestinement. Ma mère a vite trouvé du travail, ma sœur et
moi étions enfermés toute la journée comme beaucoup d’enfants de saisonniers. Chaque
fois que l’on sonnait à notre porte, nous nous cachions sous le lit. Les choses ont fini par
s’arranger : mes parents ont obtenu un permis de séjour et nous avons eu le droit d’aller à
l’école.
Ce dimanche-là, le peuple suisse votait. Une initiative dite « contre l’emprise étrangère »
lancée par le conseiller national James Schwarzenbach visait à réduire le pourcentage des
travailleurs immigrés. Des débats passionnés avaient eu lieu dans tout le pays. La gauche
avait protesté, mais c’est surtout la droite libérale qui avait énergiquement combattu ce
qu’elle jugeait être un suicide économique : on avait encore trop besoin de ces bras bon
marché dans l’agriculture, l’hôtellerie ou le bâtiment. Mes parents étaient sûrs que nous
allions être expulsés. Des voisins avaient déposé une valise en carton devant notre porte.
Dans la cour de mon école, mes camarades suisses se moquaient de nous : « Les magutes et
les espingoins vont rentrer chez eux ! »
Le peuple avait rejeté l’initiative Schwarzenbach de justesse. Mais mon père avait dit : « Un
jour, ils diront oui. Il n’y a pas d’avenir pour nous ici. » Cette initiative a laissé une
profonde blessure auprès de toute une génération d’immigrés. Comme beaucoup de leurs
semblables, mes parents ont vécu à partir de ce moment avec l’angoisse d’être expulsés
d’un jour à l’autre. En 1989, après 27 années passées en Suisse, mes parents sont rentrés
en Espagne. Ma sœur et moi sommes restés.
Quand mes enfants sont nés, j’ai entamé une procédure de naturalisation assez compliquée
qui dura trois ans. Mon père s’est senti trahi quand je lui ai montré mon nouveau passeport
à croix blanche. J’ai trouvé sa réaction stupide : j’ai passé l’essentiel de ma vie en Suisse
et j’y ai fondé ma famille. Je voulais être un citoyen à part entière, offrir à mes enfants
des racines et pouvoir enfin voter.
Le soir du 26 septembre 2006, j’ai compris que mon père avait dit vrai : les Suisses ont fini
par dire oui. J’ai eu un énorme sentiment de déception et de honte envers mon pays
d’adoption. En tant que naturalisé de fraîche date, je ne me reconnaissais pas dans cette
décision. Je pensais à ce qu’avaient enduré mes parents et à cet étranger que j’avais moimême été. Ce soir-là, une partie de mon être était niée. Que signifie cette réaction de
repli et de rejet de l’étranger que l’on cultive dans ce pays ? Est-ce que les Suisses sont
un peuple xénophobe? Ou est-ce que ce rejet est une réponse au manque de repères
d'identité nationale, un socle unificateur dans une Suisse qui risquerait de partir en
éclats au cœur d’une Europe et d’un monde menaçants?
Héritage de la neutralité, le droit d’asile est une pièce maîtresse de la tradition
humanitaire de la Suisse. Ce pays des droits de l’homme et des grandes institutions
humanitaires a toujours été, au cours de sa longue histoire, une destination privilégiée
pour les réfugiés de toutes origines et de toutes confessions ou appartenances
politiques. La Convention de Genève est la base de sa politique d’asile. Elle pose pour
principe que nul ne peut être refoulé dans un État où sa vie et sa liberté sont menacées,
où il risque la torture et des châtiments dégradants.
Mais la récente adoption par son peuple de l’une des législations les plus restrictives
d’Europe semble avoir sonné le glas de cette longue tradition humanitaire. Cette nouvelle
loi sert aujourd’hui de référence à l’extrême-droite européenne : Le Pen a souligné que
« les nouvelles lois suisses sont très proches de ce que souhaite pour la France le Front
National», et l’extrême-droite autrichienne l’a intégrée dans sa campagne avant les
élections législatives. D’une arche de Noé humanitaire, il semble que nous soyons revenus
aux heures sombres de la dernière guerre mondiale, lorsque le conseiller fédéral Eduard Von
Steiger justifiait le refoulement des Juifs à la frontière par ces mots : « das Boot ist voll »
(la barque est pleine).
Dans la révision de la loi sur l'asile comme dans la nouvelle loi sur les étrangers, le migrant
est d'abord vu comme une menace, un fauteur de troubles, un profiteur dont il convient de
se méfier. On érige donc des barrières, soit en interdisant toute forme d'immigration qui ne
proviendrait pas de l'Union européenne (ce qui exclut près de 95% des habitants de la
planète !), soit en faisant de l'accès à l'asile un mirage. Et si malgré tout un étranger, quel
que soit son statut, parvient à passer nos frontières, tout est bon pour lui faire sentir
qu’il est et restera un citoyen de deuxième catégorie.
Je voudrais comprendre ce qui attise dans ce pays la peur de l’autre, ce qui nous pousse à
verrouiller notre porte et qui transforme cette terre d’asile en une forteresse
imprenable. Pour mener à bien ce projet, j’ai choisi de porter mon regard sur un lieu
hautement stratégique : un centre d’enregistrement et de procédure (CEP). Car c’est là,
dans ce sas d’entrée des réfugiés, que va se jouer le destin du requérant. C’est là que le
tri s’opère, que la décision tombe. Après deux entretiens, les fonctionnaires fédéraux
vont déterminer la vie du requérant : il peut rester ou il doit partir. Parmi les quatre CEP
de Suisse, j’ai choisi celui du pays romand, sis à Vallorbe, une petite ville de 3000 habitants
dans le Jura vaudois. »
Fernand Melgar, mars 2006
24 heures édition complète
18.08.2008
Auflage/ Seite
97494 / 1
Ausgaben
300 / J.
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Pourquoi La forteresse est un film indispensable
Comment en effet ne pas tomber
dans la caricature le parti pris le
C est du reste ce qu il a de plus fort le
réalisateur vaudois d origine
espagnole ne nous dit pas ce qu il faut
penser il nous donne à réfléchir Et à
pathos la propagande le ton
travers l orfèvrerie de son travail
nombreux pièges que son sujet lui
tendait
sentencieux ou stigmatisant en
filmant deux mois durant le vécu d un
centre d enregistrement
pour requérants d asile Comment
ne pas colorer de son opinion un
projet né d une révolte d un malaise
salle de Suisse romande La forteresse
le film événement de ce 61e Festival
de Locamo dont il a remporté l une
des compétitions la sélection
«Cinéastes du présent» Ce film est
essentiel à plus d un titre
S il est un prix mérité c est bien
celui ci Femand Melgar a réussi un
chef d œuvre du cinéma
documentaire en déjouant tous les
renvoyant à sa propre enfance
La réponse tient tout entière
admirable dans ce film qui malgré la
gravité de son propos est d une
justesse jubilatoire
La forteresse est la preuve éclatante
que l engagement car Femand
Melgar est un cinéaste engagé et
comment n exclut pas la lucidité et
qu il peut s affranchir du dogmatisme
© 24 heures édition complète, Lausanne
cinématographique beauté de
l image finesse des cadrages
sensibilité du montage il partage ses
observations ses interrogations sa
quête de vérité Ces dernières sont
désormais les nôtres
On sort de ce film profondément
ébranlé rassuré autant qu étreint par
le doute frustré par la complexité
d un monde le nôtre dont nous ne
comprenons que rarement aussi bien
les impasses et les contradictions
Dans une société qui pousse au
simplisme et au manichéisme le
courage et l honnêteté de Femand
Melgar sont exemplaires
travaille
suivi
dos
acoustique
avec
L'Hebdo
10.09.2008
Auflage/ Seite
Ausgaben
46950 / 86
50 / J.
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6631696
défie «La Forteresse» en équipe
à
ce
sur les
est le
où
ET
ANTOINE DUPLAN
Les requérants d asile Ces frères
humains jetés sur les routes de l exil
n ont pour identité que des statistiques et
les préjugés distillés par 1TJDC Mû par un
sentiment d injustice Femand Melgar fils
d immigré espagnol qui a connu la clan
destinité dans ses jeunes années a voulu
regarder en face sans manichéisme ni
dogmatisme les voleurs de poules et les
dealers de coke que les braves gens pei
gnent sur la muraille de leurs certitudes
Un travail d équipe Présenté au Festival tionnement des structures
de Locarno La Forteresse a fait sensation
«Ce n était pas
toujours évident de passer d une catégorie
En charge du Département de justice et à l autre des réfugiés aux surveillants Par
police la conseillère fédérale Evéline Wid moments on se sent devenir un peu
mer Schlumpf s est déclarée «impression schizo » se souvient Alice Sala qui
née» et «touchée» par ce film susceptible actuellement au Nigeria
de nourrir une
«discussion constructive»
Image et son Murs gris sols gris fenêtre
La Forteresse a remporté le Léopard d or en grillagée néons l intérieur du CEP n est
Compétition Cinéastes du présent
pas bien joli Comme Cissé Yaya Nenad et
Derrière la statuette de Pardo brandie sur
la Piazza Grande il y a une équipe Car le
cinéma procède d un travail collectif Pour
Entre décembre 2007 et février 2008 il a Femand Melgar «c est avant tout une rela
passé deux mois au Centre d enregistre tion d amitié» qui détermine le choix des
ment et de procédure CEP de Vallorbe collaborateurs
Dans ce goulet d étranglement il a vu la En amont du projet le cinéaste a discuté
réalité d Igor Robert Mahmoud et les avec une éminence grise du cinéma suisse
autres que résume cette sentence en exer un bon génie discret Figure de la gauche
gue du film «Ce qui est terrible c est que alternative Claude Muret a coscénarisé les
nous ne savons pas d où ils viennent et Petites fugues et participé à plusieurs pro
qu ils ne savent pas où ils vont » Il a jets de Climage le collectif de Melgar
le travail difficile des fonctionnaires triant Celui ci le présente comme «dramaturge»
les «bons» et les «mauvais» réfugiés ou «dialogueur» Sensible à la question des
essayé de comprendre au quotidien les réfugiés Muret a abondamment parlé avec
«Comment mesurer la réalité
les autres «jouent leur survie» ils peuvent
se méfier de la caméra Le chef opérateur
doit allier compétence technique et quali
tés humaines Camille Cottagnoud Exit
Retour à Corée a le profil et en plus selon
Melgar
«le génie de l instinct»
Modeste
le cameraman rappelle que «toutes les
conditions de lumière sont intéressantes»
Son travail force toutefois l admiration
Si lors des repérages ils s est attiré quel
ques sombres regards qui l ont «lessivé»
Camille Cottagnoud a su trouver la dis
tance juste qui instaure le respect et les
bonnes solutions aux problèmes L exiguïté
des locaux où se déroulent les auditions ne
mécanismes de la loi sur l asile
Fernand
se double d une œuvre d art La gravité du
propos ne contrecarre ni la beauté des ima
ges ni l humour Aux sanglots d Ali l Ivoirien
de 16 ans qui rêve de mourir pour rejoindre
ses parents succèdent des scènes cocasses
comme le préposé au rôle du Père Noël qui
se change sur le quai de la gare L huma
nisme du cinéaste lausannois s exprime en
une syntaxe poétique Lorsque à bout de
souffle une mère cesse de parler de son
de la vie du centre Est ce qu on suit une requérant puis inverse l image Il signe un
personne » Ensemble ils préparent le plan séquence virtuose en suivant deux
permettant pas de travailler à deux camé
Il a ramené un film beau drôle et terrible d une institution Nous échafaudions des
ras il imagine un système de miroir pour
comme la vie Œuvre engagée La Forteresse hypothèses est ce qu on raconte 24 heures
assurer le contrechamp il filme le reflet du
sier de demande de subventions fédérales
s efface
Pendant le tournage Fernand Melgar a
pour assistante Alice Sala une jeune
anthropologue recommandée par un col
lègue de Climage «Je suis assez intuitif je
n ai pas fait d études Alice apporte la cau
enfant assassiné la caméra se détourne tion scientifique un regard plus rigou
pudiquement de ses larmes pour montrer le reux » Dans le CEP «tellement dense
vent dans les arbres et donner au spectateur tellement d enjeux»
le souffle qui vient aussi à lui manquer
© L'Hebdo, Lausanne
Russes qui descendent les escaliers
«Il
Puis tandis que Femand s immerge Muret faut jouer avec les gens les repérer Il faut
elle observe le fonc
apprivoiser la chance» explique t il
Les ingénieurs du son sont parfois amers
on parle de belle image jamais de beau son
C est la «partie invisible du cinéma» Marc
von Sturler Die Herbstzeitlosen Mon frère
se marie Bird sNest reste serein «Donner
à écouter c est mon métier » L
du CEP s apparente à celle d une prison
»
»
»
L'Hebdo
10.09.2008
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Ausgaben
«UN FILM CEST UNE
QUI SE BASE
TOUT
Fernand Melgar
d un gare «très résonnante très vaste»
Pour enregistrer des dialogues dans le
brouhaha Marc von Sturler a travaillé avec
des micros cravates
«seule manière d ob
tenir une source ponctuelle» et aussi une
perche munie d un ensemble stéréo pour
restituer l ambiance sonore Avec Camille
il fonctionne en binôme
«Nous formons
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tale des lieux Elle voit «les images avec nes chenapans Karin et moi qui permet
ce qu il y a dedans pas avec ce que le réa de prendre du recul C est une relation de
lisateur y voit» Découvrant au fur et à confiance et d amitié Il nous a même
mesure ce «nœud d histoires ce fardeau convaincus de renoncer à des séquences
que nous aimions
énorme que les gens viennent déposer»
Un film c est enfin une affiche
elle prend des notes met en mémoire car
«un film se compose sur l ensemble des
Conçue par Janka Rahm elle pro
rushes»
150 heures en l occurrence
pose trois arrêts sur image un réfu
«Karine a le génie de la coupe de l as
gié irakien derrière le grillage un
enfant qui joue au ballon deux
semblage c est une monteuse au sens
profond du terme» apprécie Fernand
requérants qui s en vont vers un
avenir incertain Les lettres formant
Melgar Dans cette dernière étape du tra
vail Claude Muret revient «vérifier si ce
le titre
«La Forteresse»
sont com
qu on a dit en amont se retrouve en aval
Fernand a vécu une expérience forte moi
je suis resté sur les présupposés de
départ Nous discutons des gens que
posées de tous les prénoms des protago
nistes Suprême élégance du cinéaste
Josef Efrem Caroline Oemazghi Freed
nous allons montrer choisissons les
moments forts qui disent la réalité sans
humains auxquels Fernand Melgar et son
équipe ont donné un visage vont s affi
Tous les jours pendant le tournage Fer
la déformer
cher un moment sur les murs de la forte
nand envoie les rushes à Karine Sudan
Pour maintenir le cap Pour le cinéaste resse helvétique et dans la mémoire col
Claude Muret est comme une «balise qui lective o
La Forteresse De Fernand Melgar Assistante Alice Sala
aide à maintenir le cap dans la tempête»
Image Camille Cottagnoud Son Marc von Sturler
Il porte «un regard paternel sur deux jeu Montage Karine Sudan Dramaturgie Claude Muret Suisse 1 h 40
une sorte de corps de captation Je suis la
caméra la caméra suit le son Nous avons
une complicité intuitive nous travaillons
au clin d œil Pour un réalisateur une équipe
technique qui fonctionne c est de l or
Délibérément la monteuse n a jamais mis
les pieds au CEP Pour ne pas être influen
cée par les vraies personnes ou par le
décor Elle compose une géographie men
© L'Hebdo, Lausanne
Gamil Esmeralda et les autres frères
Nouvelliste
16.09.2008
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Cinq raisons de voir «La Forteresse»
II donne à réfléchir
Le film observe et montre sans pa
thos Il ne dit pas ce qu il faut pen
ser mais il donne à réfléchir pré
sentant avec clarté une situation in
finiment complexe Au moment de
glisser son bulletin dans l urne lors
de prochaines votations sur un dur
cissement de l asile certaines ima
ges reviendront à coup sûr à l es
prit Entre «nécessaire» et «indis
pensable» on hésite sur l adjectif à
adopter pour qualifier cet ouvrage
II n est pas manichéen
Dans «La forteresse» il n y a pas les
gentils requérants ou fonctionnai
res selon la sensibilité de chacun
d un côté et les méchants idem
de l autre
Il y a juste des êtres humains qui
placés par les hasards de la nais
sance dans des camps différents
se retrouvent dans un même es
néaste Bref tout ce que peuvent
pace et se rencontrent Ils n ont pas procurer les meilleures fictions
le le même vécu ni la même cul
ture ni les mêmes croyances ni les
mêmes rôles ils ont parfois des
couleurs de peau différentes mais
ils sont des frères humains Nos
frères humains
Comme une fiction
Même ceux qui rechignent à l idée
d aller voir un documentaire de
vraient être séduits par «La forte
resse» Il y a de l humour de l émo
tion beaucoup de sensibilité de la
pâte humaine des personnages
formidables un vrai regard de ci
© Nouvelliste, Sion
On pense à Depardon
Pas d interviews pas de commen
taire pas de musique Pour Fernand
Malgar une bonne image et tout est
dit Cette forme très brute fait pen
ser à Raymond Depardon réfé
rence en matière de cinéma direct
«1974 une partie de campagne»
blafarde Les pièces exiguës empê
chent de travailler à plusieurs ca
méras Camille Cottagnoud
contourne ces obstacles avec ta
lent Après «Exit Le droit de mou
rir» ou
«Retour à Corée»
le chef
opérateur valaisan cocorico
confirme qu il figure parmi les meil
leurs Le montage Karine Sudan
et le son Marc von Stûrler sont au
diapason
«10e chambre instants d au
dience»
Le 17 septembre sur les écrans
La photo est superbe
A Sion le 18 septembre
Dans le Centre d enregistrement de Capitule 20 h 45 projection en présence
Vallorbe tout est gris et la lumière
du réalisateur et de l équipe technique
ins
En
24 heures édition complète
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Nous avons été
les héros involontaires
de Laforteresse
RETOUR SUR IMAGES
Ils s appellent Koffi Nadine
Fahad Pierre Olivier Blancs
ou Noirs fonctionnaires
aumônier exilés ils ont croisé
la caméra de Fernand Melgar
au Centre d enregistrement
pour requérants d asile
de Vallorbe Le documentaire
choc attire les foules
au cinéma Que sont devenus
ses
«acteurs»
MARTINE CLERC
C e Jeune Togolais qui re
cherche son papa en
5 Suisse Ces Securitas
qui enfilent leurs gants de latex
et procèdent à la fouille des
nouveaux arrivants
Mais aussi
cette prière africaine qui se
transforme en liesse entre les
murs austères du Centre d enre
restes Au dessus du village la
forteresse de béton paraît im
prenable
n entrouvrant
ses
grilles qu à la faveur d une lon
gue série d autorisations offi
Benabderrahmane un Algérien France
avec des passages en
vient de déposer une nouvelle prison pour séjour illégal le
demande d asile accompagné périple de Fahad Khammas est
de son épouse et de sa petite passé par Vallorbe Ce jeune
fille
«La Suisse va m aider à traducteur pour l armée améri
cielles
récupérer mes autres enfants caine à Bagdad se disant pour
Rendez vous est pris avec prisonniers dans une secte en chassé par les islamistes pour
Mostafa Aouiss employé du France»
martèle t il A cran traîtrise est aujourd hui en
centre Dans le film il récure l homme se hisse une fois de
Suède où il a déposé une nou
les lavabos sans perdre de sa plus dans un train en partance velle demande d asile «Dans le
gouaille «Le film est touchant pour Coire cette fois ci où se
village il n y a que des gens aux
j ai versé une larme» commen poursuit sa procédure
cheveux blonds»
sourit il à
te t il Enfant de Casablanca il
Retrouver la trace des de
l autre bout du fil N empêche
se voit un peu comme le «psy mandeurs d asile qui ont peuplé
l étudiant se dit usé par son
chologue de la bande»
«Je fais La forteresse est une course au
voyage Il aurait souhaité finir
partie de la basse caste du long cours Face au juridisme ses études d ingénieur à l EPFL
centre je ne représente pas la tatillon de l Office fédéral des
Peine perdue La Confédération
guillotine comme les employés migrations il faut recouper les lui a signifié une non entrée en
de la Confédération Les requé informations au compte gout
rants osent me poser des ques tes Koffi Hor Afemenusui le matière NEM et l a renvoyé
tions sur la vie ici sur la procé Togolais qui dans le film re par la force dans un vol spécial
dure Je leur donne parfois des cherchait sa famille est au après une détention adminis
En
cigarettes Les Africains m ap jourd hui hébergé à Lausanne trative à Frambois GE
vertu des Accords de Dublin
pellent cousin Par contre je
dans
n ai pas beaucoup de volontai
res pour m aider Ils croient
qu en Suisse on va tout leur
» Souriant l ancien
les ont vues au cinéma dans La donner
forteresse
documentaire du tit débarqué en Suisse il y a
Lausannois Fernand Melgar plus de vingt ans par amour
primé au Festival de Locarno pour une Payernoise ne rêve
que d une chose empocher son
Le film figure depuis trois se
deuxième pilier et ouvrir une
maines parmi les cinq longs
métrages les plus populaires en guest house dans le Sud maro
gistrement et de procédure de
Vallorbe CEP Ces tranches de
vie quelque 12 000 spectateurs
Suisse romande
cain
Tous les «acteurs» de Melgar De Vallorbe a la Suéde
ont en commun leur passage à
Autre jour sur un quai de la
Vallorbe entre décembre 2007 gare de Vallorbe
«Je suis Dja
et février 2008 Ils s y sont mel dans le film il paraît que
croisés 20 40 60 jours maxi l on me voit téléphoner à mon
mum y ont déballé leur vie fils Je veux vous voir» m a t il
dans l espoir de voir s ouvrir la soufflé la veille depuis la cabine
citadelle helvétique Que sont téléphonique du CEP Dans le
ils devenus Départ à Vallorbe pays depuis un an errant de
pour rencontrer ceux qui sont centre
en
centre
Diamel
© 24 heures édition complète, Lausanne
un
centre
de
l EVAM
l Irakien a été refoulé dans le
ex Fareas Sa demande d asile
pays de l Union européenne où
refusée un recours lui permet
il avait déposé sa première de
de rester encore en Suisse
Ses
mande
parents il les a retrouvés à
Payerne Un peu plus serein il y Le visage
berce
son
neveu
nouveau né
Mais il tempête face à «l injus
tice»
«Mes parents ont un per
mis B et mes petites sœurs ont
bénéficié d un regroupement fa
milial Moi à 24 ans on me dit
que je suis trop vieux
»
début de semaine le jeune
des fonctionnaires
Responsables du difficile tri
des requérants Caroline Roth
et Nadine Scholl sont collabo
ratrices scientifiques de l Office
fédéral des migrations chargées
de la procédure d asile à Val
lorbe Instants poignants dans
homme a vu pour la première le documentaire un Somalien
fois La forteresse dans un ci raconte son voyage dans l enfer
néma lausannois Emu il est du désert pour rejoindre l Eu
resté sans voix
rope assurant par nécessité
Le voyage en Europe des exi avoir mangé le cadavre d un
lés est tortueux suivant la car enfant décédé durant la traver
tographie politique de l asile sée de la Méditerranée De
Irak Turquie Grèce Suède
»
»
Roth
pasteur
24 heures édition complète
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l autre côté du bureau devant port de confiance notamment
les caméras Nadine Scholl dans le cas des migrantes su
tranche la traversée du désert bissant des persécutions liées
ne lui semble pas vraisembla au sexe
ble dans ces circonstances là
Comment en être sûre
«Ils ont besoin
Com de chaleur humaine»
ment protéger les requérants
de l arbitraire
«Cette décision
a été prise après quatre heures
d audition fédérale explique
cette collaboratrice expérimen
tée Quand nous rendons une
décision négative nous n avons
pas de doute
» Caroline
précise «Si notre rôle implique
une certaine fermeté il re
quiert aussi l empathie néces
saire à l établissement d un rap
Arrivant à pied à la forte
resse
Pierre Olivier
Heller
aumônier au centre a l air sou
cieux «On se sent démunis on
ne peut qu écouter Et pourtant
ils n arrêtent pas de venir nous
voir ils parlent ils parlent Ils
ont besoin de chaleur humaine
Souvent nous devons accompa
gner la désillusion les espoirs
brisés
»L
ancien
Souvent nous devons accompagner
la désillusion les espoirs brisés
PIERRE OLIVIER HELLER AUMÔNIER DU CENTRE
© 24 heures édition complète, Lausanne
dYverdon accompagne par sa
foi les décisions fédérales mais
garde farouchement ses distan
ces
«L ODM voulait un jour
nous offrir un repas à Berne
J ai refusé Je ne veux pas leur
être redevable d une quelcon
que manière
Et les autres
«protagonis
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peut être clandestins peut être
toujours sur les chemins de
l exil
L an dernier 10 844 person
nes ont cherché asile dans no
tre pays 1537 l ont obtenu et
1645 déboutés ont reçu une
admission
provisoire
Pour
2008 les demandes sont en
tes»
Bouleversant
sur
les hausse
Quelque
13 000
à
écrans le couple de Colom 14 000 requérants viendront
biens José Moreno et son probablement jusqu à la fin de
épouse Alice dont l un des fils l année frapper aux portes de la
a été assassiné habite au forteresse helvétique
jourd hui près d Aarau avec un
permis B Les anciens colocatai
res de Koffi Fahad et les autres
sont peut être encore en Suisse
Übersicht Empfangs- und Verfahrenszentren
http://www.bfm.admin.ch/bfm/de/home/themen/asyl/asyl...
Bundesamt für Migration
Übersicht Empfangs- und Verfahrenszentren
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BFM Wabern-Hauptsitz
Quellenweg 6
3003 Bern-Wabern
Tel: 031 / 325 11 11
Transitzentrum Altstätten
Bleichemühlistrasse 6
9450 Altstätten
Tel: 071 / 757 79 51
Anzahl Betten: 126
Empfangs- und Verfahrenszentrum
Basel
Freiburgerstrasse 50
4057 Basel
Tel: 061 / 638 82 82
Anzahl Betten: 236
Empfangs- und Verfahrenszentrum
Chiasso
Centro di registrazione
Via 1° augosto
6830 Chiasso
Tel: 091 / 697 60 10
Anzahl Betten: 197
1 von 2
30.12.2008 9:33 Uhr
Übersicht Empfangs- und Verfahrenszentren
http://www.bfm.admin.ch/bfm/de/home/themen/asyl/asyl...
Empfangs- und Verfahrenszentrum
Kreuzlingen
Döbelistrasse 13
8280 Kreuzlingen
Tel: 071 / 677 23 23
Anzahl Betten: 235
Empfangs- und Verfahrenszentrum
Vallorbe
Champs de la Croix 23
1337 Vallorbe
Tel: 021 / 843 98 98
Anzahl Betten: 217
Flughafenverfahren (Zürich/Genf)
Bundesamt für Migration (BFM)
Dienst Flughafenverfahren
Postfach
8058 Zürich Flughafen
Tel. 043 / 816 87 01
Fax 043 / 816 87 02
Letzte Änderung: 28.01.2008
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Rechtliches | Kontakt
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30.12.2008 9:33 Uhr
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